Ein Augenöffner besonderer Art ist „Frauenliteratur“ von Nicole Seifert. Durchgestrichen ist die Hälfte des Titels deshalb, weil die Autorin der Ansicht ist, der Begriff könne weg. Er ist unklar. Und „Männerliteratur“ gibt es ja auch nicht. Recht hat sie!

Sie schreibt zu Beginn über ihre Erfahrung, dass zum Beispiel in der Schule fast ausschließlich Bücher männlicher Autoren gelesen wurden. Und das kam ihr nicht verdächtig vor. Mir auch nicht. Ich habe sogar über das Werk eines männlichen Autors eine Dissertation verfasst. Und mich erst später darüber gewundert. Dabei hatte ich schon viel früher auch faszinierende Autorinnen kennengelernt.

Immer noch gibt es in einer neueren Literaturgeschichte nur einen Autorinnen-Anteil von 18 Prozent. In schulische Curricula finden die Werke von Autorinnen allmählich Eingang. In einem ersten Schritt beschließt Nicole Seifert, ein Jahr lang nur Bücher von Frauen zu lesen. Und macht dabei erstaunliche Entdeckungen – und den sehr interessanten Blog „Nacht und Tag“. Außerdem ist sie Mitherausgeberin der rororo-Reihe „Entdeckungen“, die es ermöglichen soll, Traditionslinien weiblichen Schreibens zu erkennen und nachzuzeichnen.